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    Uroma getürmt

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    Beitrag von Trulla Do 30 Sep 2021, 23:56

    Anstatt sich bei dem heutigen Prozess im Gericht einzufinden, hat eine "mutmaßliche NS-Täterin" es vorgezogen, aus dem Seniorenheim zu flüchten.

    keinen Bock auf Knast

    Zwischenzeitlich ist sie jedoch gefunden worden und der Prozess wurde vertagt.

    NDR.de schrieb:Die 96-Jährige ist wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 11.000 Fällen angeklagt. Sie hatte 1943 bis 1945 im KZ Stutthof bei Danzig als Schreibkraft gearbeitet. Damals war sie 18 beziehungsweise 19 Jahre alt.
    ...
    Das Internationale Auschwitz-Komitee hat sich empört über die Flucht der Angeklagten geäußert. "Darin zeigt sich eine unglaubliche Verachtung des Rechtsstaats und auch der Überlebenden", sagte Vize-Exekutivpräsident Christoph Heubner.

    Also sorry, aber der Typ hat sie doch nicht mehr alle.

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    Beitrag von Katana Fr 01 Okt 2021, 11:11

    Allein die Tatsache, dass eine damals 18-19jährige, die als Schreibkraft im KZ tätig war, der Beihilfe zum Mord angeklagt werden kann, lässt mich bei dieser Thematik eindeutig an unserem Rechtsstaat zweifeln.

    Die Argumentation dafür ist so absurd wie realitätsfremd und wird auch so nur bei "Tätern" aus der Zeit des Nationalsozialismus angewandt.

    Es wird allen Ernstes vorausgesetzt, dass sich ein junger Mensch mit 18 Jahren auf dem Stand einer geistigen Reife, welcher mit dem heutigen nicht ansatzweise vergleichbar ist, in einer Diktatur und unter Kriegsrecht hätte dem System entziehen können und die Mitarbeit hätte verweigern können.

    Weswegen der Prozess , wie andere davor auch übrigens unter das Jugendstrafrecht fällt, sorry aber das ist einfach nur geistesgestört am Rande des Sadismus und unter Vernebelung der Jahrzehnte langen Unfähigkeit dieses Staates zu einer vernünftigen Aufarbeitung der NS Zeit.

    Erst wartet man seelenruhig ab, bis alle dickeren Fische, denen man wirkliche Verantwortung hätte zusprechen können wegsterben, um dann nach über 70 Jahren Greise und Greisinnen im Alter zwischen 90 und 100 Jahren vors Jugendgericht zu schleifen, weil sie mehr oder weniger zwangsweise Hilfsarbeiten in einer Diktatur verrichtet haben und ihnen ab von jeder damaligen Lebenswirklichkeit vorzuwerfen, dass sie sich diesen nicht entzogen haben .

    Und alles nur, weil einige Nachkommen und oberschlaue Geiferer ihren Rachedurst befriedigen wollen .

    Normal wünsche ich niemandem was böses, aber bei dieser Thematik wünsche ich ausnahmslos jedem, der heute diese halben Kinder von damals verurteilen möchte, genau deren damalige Lebenssituation an den Hals live und in Echtzeit vor Publikum und dann würde man sehr schnell sehen , dass diese Herrschaften GENAU SO agieren würden, wie die Menschen, die sie heute verurteilen wollen.
    Kein geistig normaler Mensch, der unter so einem Regime lebt, macht sich zur Beruhigung des eigenen Gewissens zum Helden für nix und wieder nix um dank seines Widerstandes selber im KZ zu enden oder gleich mit dem Rücken zur Wand .

    Andererseits darf einen dieses heutige Rechtsverständnis nicht wundern, es entspricht genau der schleichenden Verblödung, welcher man auch in anderen Bereichen der Gesellschaft begegnet . Oberflächlichkeit, Dummheit und mangelndes geistiges Verständnis für die damaligen Zustände begegnet man heute leider gerade unter den Menschen , die sich "Historiker" nennen .
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    Beitrag von gnadenlos Fr 01 Okt 2021, 23:30

    So ist der Rechtsstaat: laaangsaaam aber grrründlich! Da gibt's kein Entkommen! Auch wenn es nur noch um die Frühstücksholer der Kofferträger geht: Rrrecht muss sein!

    Hätten die mal lieber gleich 1945 hart durchgegriffen. Es hätte fortan keinen Polizisten, keinen Staatsanwalt und keinen Richter mehr gegeben. Und viele weitere Diener dieser Zeit wären hinter Gittern geendet. Die Bundesrepublik hätte heute bestenfalls nur die Hälfte der Bevölkerung. Irgendwie echt schade, dass man sich so lange Zeit gelassen hat ...

    Ich kann ja durchaus verstehen, dass sich Überlebende bzw. direkte Nachkommen der Opfer nach Gerechtigkeit sehnen. Aber jetzt, nach 76 Jahren, damals Jugendliche auf die Anklagebank zu zerren, die nur indirekt mit den Verbrechen zu tun haben, halte ich für eine Ersatzbefriedigung. Was hat denn diese Sekretärin zu erwarten? Lebenslang? Oder vielleicht doch Haftverschonung aus gesundheitlichen Gründen? Ja, ja, wenigstens der Gerechtigkeit ist Genüge getan. Wo waren denn die Gerechten in den vergangenen 70 Jahren?
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    Beitrag von Katana Sa 02 Okt 2021, 00:01

    gnadenlos schrieb:
    Ich kann ja durchaus verstehen, dass sich Überlebende bzw. direkte Nachkommen der Opfer nach Gerechtigkeit sehnen. Aber jetzt, nach 76 Jahren, damals Jugendliche auf die Anklagebank zu zerren, die nur indirekt mit den Verbrechen zu tun haben, halte ich für eine Ersatzbefriedigung. Was hat denn diese Sekretärin zu erwarten? Lebenslang? Oder vielleicht doch Haftverschonung aus gesundheitlichen Gründen? Ja, ja, wenigstens der Gerechtigkeit ist Genüge getan. Wo waren denn die Gerechten in den vergangenen 70 Jahren?

    Welche Gerechtigkeit denn, Rechtslage beim Umgang mit angeblichen NS Tätern weicht willkürlich von unserer normalen Rechtsprechung ab .
    Einem Mörder muss seine Tat bewiesen werden , Beihilfe zu einem Mord ebenso und zwar durch wissentliches aktives Handeln , welches einen Mord ermöglicht oder begünstigt .

    Ausnahme Taten während der NS Zeit , hier wurde die Rechtsprechung einfach umgeschrieben, dahingehend das schon die reine Anwesenheit in einem KZ als Beihilfe gewertet wird .

    Grundgesetz Art.3 "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich"

    Dieser Artikel wird durch die geänderte Rechtsprechung im Umgang mit NS Tätern klar missachtet durch die Tatsache, dass die Schuld nicht mehr bewiesen werden muß , sondern eine Anwesenheit allein als Schuldbeweis gewertet wird .

    Eine 96jährige Schreibkraft wird vor Gericht gezogen , ein Wernher von Braun dagegen wie ein Filmstar gefeiert und Zeit seines Lebens nie angeklagt , obwohl er im WKII für den Bau reiner Terrorwaffen verantwortlich war und nachweislich im Lager Dora tausende von NS Zwangsarbeitern beaufsichtigt hat .Nachtrag , das Lager Dora war eine Außenstelle des KZ Buchenwald .
    Aber als Pionier der Raketenforschung war er natürlich ein Held .

    Sorry aber sowas ist keine Rechtsprechung sondern staatliche Willkür .
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    Beitrag von Oskar Sa 02 Okt 2021, 00:44

    Das Ganze ist doch ein Armutszeugnis für die Justiz. Einerseits gibt man sich den Anstrich, dass man selbst kleinste Erbsen in der Vernichtungsmaschinerie akribisch mit der Lupe sucht, jahrzehntelang aber die dicken Fische übersah. Das alles mit einer sehr spät erfolgten Rechtsanpassung, die betreffende Dame stand angeblich schon in den 50-er Jahren als Zeugin vor Gericht, damals war die bloße Anwesenheit in einem KZ noch keine Beihilfe zum Mord.

    Ein Großteil der Verwaltung und der militärischen Führung des NS-Staates hatte Dreck am Stecken, nur man brauchte sie eben nach Kriegsende auch im neuen Staat. Deshalb ließ man die Finger von ihnen (Z. B. Kiesinger, Filbinger).

      Aktuelles Datum und Uhrzeit: So 14 Jul 2024, 22:44