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    Beitrag von Katana So 22 Jan 2023, 19:09




    Jetzt regt man sich in Hamburg künstlich auf , weil der HVV seine Kontrollschwerpunkte dahingehend verlegt , wo wohl auch am meisten schwarz gefahren wird und überhaupt ist es ja so fürchterlich ungerecht , dass der öffentliche Nahverkehr für Geringverdiener nicht gleich gänzlich gratis ist .

    Irgendwie hat man in Deutschland immer mehr das Gefühl ein Trottel zu sein, wenn man arbeitet und Steuern zahlt .
    Wofür das Ganze noch, wenn man diese Sozialfantasten da so hört, kann man doch lieber alles hinschmeißen und sich in die soziale
    Hängematte legen , Papi Staat zahlt doch , aber eigentlich noch viel zu wenig, alles fürchterlich ungerecht .

    Woher die Kohle kommt, die all diese Sozialleistungen ermöglicht, scheint man nicht wirklich zu begreifen.
    Natürlich tönt dieser Tenor in der Hauptsache aus dem linken Lager der DDR Romantiker, da war man auch schon auf die kostenlosen
    Kindergärten ab einer Minute nach Geburt des Kindes so stolz und hat nie begriffen , dass man mit solchen Nummern den Staat in die
    Pleite getrieben hat .

    Stattdessen ergeht man sich in Formulierungen wie " Schwarz fahren wäre ja eine soziale Notwehr , die man nicht verurteilen sondern unterstützen müsse "
    Da kann man sich nur noch an den Kopp fassen scratch
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    Beitrag von Abriter So 22 Jan 2023, 20:37

    Fahrkartenkontrollen sind natürlich absolut richtig; das ist gar keine Frage. Selbst bei mir auf dem Land finden spätens während jeder zweiten Bahn- oder Busfahrt Kontrollen statt. Fahren ohne Fahrschein ist m.W. noch immer eine Straftat. Ob das so sein muss, darüber kann man streiten. Ich denke, es reicht, wenn es eine Ordnungswidrigkeit ist.

    Solange der ÖPNV so finanziert ist, wie er es ist, sind Kontrollen zwingend erforderlich. Es kann ja nicht sein, dass zahlende Fahrgäste regelmäßig die Zeche für Schwarzfahrer bezahlen. Und inzwischen sind die Tarife - zumindest hier bei mir - teuer genug. Wir haben hier sogar Strecken, die sind definitiv teurer als das eigene Auto mit allen Nebenkosten. Und damit kommen wir zum eigentlichen Problem:

    Während der Nahverkehr in größeren Städten halbwegs vorhanden ist und funktioniert, ist er im Umland grottenschlecht oder gar nicht da. Es ist ja durchaus politisch und gesellschaftlich gewollt, mehr den ÖPNV als das eigene Auto zu nutzen. Dort, wo es die Möglichkeiten gibt, fehlen zuweilen die Anreize (zu teuer und/oder zu lange Fahrtzeiten), wo es die Anreize gibt, fehlen oft die Möglichkeiten (schlechte oder keine Verbindung). Man hat sich eben gut 50 Jahre lang nicht wirklich gekümmert. Es lief ja - mit den Autos.

    Die derzeitige Finanzierung des ÖPNV ist fragwürdig. Da verdienen nicht wenige Leute nicht wenig, obwohl das Ganze ohnehin vom Steuerzahler nicht nur bezuschusst wird. Hinzu kommen noch fragwürdige Freifahrten, z.B. für Uniformierte. Während Arbeitnehmer oft Jobtickets haben oder sich eine günstigere Jahreskarte kaufen können, schaut Oma Müller als Gelegenheits- und Kurzstreckenfahrerin mit ihrer dünnen Rente mächtig in die Röhre. Vielleicht gibt es in manchen Städten und Landkreisen Vergünstigungen für Sozial Schwache und Rentner, aber auch das kostet und muss doppelt beantragt und verwaltet werden. In anderen Ländern, z.B. GB, F, PL, CZ, fahren die Rentner mit ihrem Rentenausweis kostenlos. Da spart man sich wenigstens die teure Verwaltung.

    Natürlich muss das alles finanziert werden, natürlich auch besonders günstige oder kostenfreie Tickets. Die Frage ist, von wem sich der Steuergeldverteiler letztlich das Geld holt. Da darf man sich für die Zukunft gerne mehr Hirn wachsen lassen, denn so wie es ist, ist es nicht gut.


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    Beitrag von Katana Mo 23 Jan 2023, 11:30

    In dem Beitrag ging es um den HVV , da sieht es für Rentner so aus , dass eine normale Rentner Monatskarte 64,50 € kostet vollkommen ohne Formalitäten durchgängig ab 65 Jahre , sprich beim Kauf braucht nur der Perso vorgezeigt werden , keinerlei weiteren Formalitäten .

    Im Abo übers Jahr geht der Preis sogar auf 54 € runter .

    Wie gesagt für eine Monatskarte und dafür kriegt man derzeit gerade mal eine Tankfüllung für nen Kleinwagen , von teuer kann da also keine Rede sein .

    Für Sozialhilfe Empfänger oder Leute mit ALGII Bezug kostet die Karte 23€ und das wird von den Sozialromantikern noch als zu teuer angesehen .

    Nur zum Vergleich ist man als Normalbürger der arbeitet mit 118€ monatlich dabei für den Hamburger Raum eine Gesamtnetzkarte mit umliegenden Gemeinden schlägt mit 262 € zu Buche .

    So und nun rechnen wir mal , ein ALGII Empfänger erhält ab dem ersten Januar 502 € Regelsatz plus sämtliche Wohnkosten einschl. Strom , was in Hamburg selbst mit einer 1 Zimmer Wohnung wenigstens 600€ monatlich bedeutet . Macht zusammen rund 1100 Euro Einkommen .

    Der Großteil der heutigen Arbeitslosen ist gering qualifiziert und würde wenn er arbeiten täte im Bereich des Mindestlohnes liegen . Vollzeit arbeiten bei Mindestlohn bedeutet allein stehend ein Nettoeinkommen von knapp 1340 €

    Ziehen wir davon mal die Monatskarte ab stehen 1078€ beim Leistungsbezieher , 1220 € beim Vollzeit arbeitenden Mindestlöhner gegenüber .

    Und dann sind Leute noch allen Ernstes der Meinung die Regelsätze wären zu niedrig und solche Sachen wie öffentlicher Nahverkehr sollten für Leistungsbezieher gratis sein .

    Da hört bei mir jegliches Verständnis auf , auf diese Art und Weise mache ich den ehrlich arbeitenden aber gering qualifizierten Arbeitnehmer zum Trottel der Nation , der für 150 € im Monat , 40 Stunden die Woche arbeiten geht . Dann noch zu jammern bezüglich der Beihilfen für Leute die lieber zu Hause bleiben , ist für mich nicht mehr nachvollziehbar .
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    Beitrag von Abriter Di 24 Jan 2023, 18:34

    Das ist Regional wohl sehr unterschiedlich geregelt. Im Rhein-Main-Gebiet haben wir etliche Tarif- und Zeitzonen, schon innerhalb eines Landkreises. Da kommt es vor, dass eine Fahrt von 3 Km so teuer ist, wie die Fahrt in die andere Richtung mit 30 Km. Und wenn du Pech hast, hat die Bahn oder der Bus Verspätung, dann bist du im Zeittarif ganz schnell ein Schwarzfahrer. Hier gibt es Sachen, die kannst du dir nicht ausdenken.

    Das von dir im letzten Absatz beschriebene Dilemma ist die Folge des viel zu geringen Abstands zwischen Sozial- und Arbeitseinkommen. Die einen haben zum Sterben zu viel, die anderen zum Leben zu wenig. Tatsächlich dürfte man nicht noch mehr Zuschüsse und Leistungen für reine Sozialbezieher fordern, sondern schlicht mehr Lohn (Arbeit muss sich lohnen). Es klingt paradox, ist aber so: je geringer der Einkommensabstand ist, um so höher sind die Ansprüche derer in der Hängematte.
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    Beitrag von Katana Di 24 Jan 2023, 18:56

    Bei den Löhnen sieht das eng aus , wir sind jetzt bei 12€ Mindestlohn und das ist finde ich nicht wenig und vor allem für viele kleinere Unternehmen schon hart an der Schmerzgrenze . Lohnhöhen ergeben sich nun einmal in der Hauptsache durch Qualifikation und das ist finde ich auch durchaus richtig .

    Ich würde das Ganze aus zwei Richtungen anders angehen .

    1) Würde ich Leistungsbezieher zu gemeinnützigen Arbeiten heran ziehen, in denen Personalmangel herrscht . Wir haben zum Beispiel die absurde Situation , dass bundesweit fast alle Tafeln Personalmangel beklagen . Man darf sich das mal vorstellen , da stellen sich arbeitende Menschen hin und machen das ehrenamtlich und die Bedürftigen , die sich zu einem Großteil eben aus reinen Leistungsbeziehern zusammensetzen , nehmen das Zeug und sagen "danke schön " und gehen nach Hause .

    Was wäre denn so schlimm daran, wenn diese Leistungsbezieher wenigstens 20 Stunden die Woche zu genau solchen Arbeiten heran gezogen werden ?
    Warum muss eine soziale Grundabsicherung denn vollkommen ohne Gegenleistung erfolgen ?

    2) Der zweite Weg wäre für mich die möglichen Bezuschussungen wie Wohngeld und dergleichen von den Grenzwerten her zu erhöhen auf das auch geringer verdienende Menschen diese erhalten können und der Übergang so fließender wird .
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    Beitrag von Abriter Sa 28 Jan 2023, 18:36

    Bei den Löhnen sehe ich keine Enge. Und eine "Qualifikation" ist leider nicht gleichzusetzen mit Fähigkeit und Kompetenz. Es waren und sind nicht die Putzfrauen und Müllwerker, nicht die Pflegekräfte und nicht die Handwerksbetriebe, auch nicht persönlich haftenden Unternehmer jedweder Branche usw., die für Wirtschafts- und Finanzkrisen in irgendeiner Form verantwortlich sind. Und wenn jemand diese Krisen meistert, sind es genau diese Personen und nicht die Hochleistungstheoretiker oder Absahner mit Jodeldiplom.

    Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es nicht mehr für alle Fähigkeiten bzw. Unfähigkeiten Arbeit gibt. Dennoch ist jeder in Lohn und Brot zu bringen, so dass er davon Leben kann. Das heißt, dass wir Arbeit und Leistung neu bewerten müssen. Es kann doch nicht sein, dass Dauerpleitiers à la "Karstadt" höher bewertet und bepudert werden als die Pflegekraft, die dessen Mutter den Arsch abwischt. Es kann auch nicht sein, dass eben jene Pflegekraft einen höheren Steuersatz auf ihre schweißtreibende Knochenarbeit zu entrichten hat, als der Dauerpleitier für sein leistungsloses Einkommen.

    Natürlich werden wir immer sogenannte Leistungsbezieher haben: Kranke, Rentner und Faule. Letzteren muss man tatsächlich ordentlich in den Hintern treten und ihnen das Mögliche abfordern. Da bin ich, wie so oft, ganz bei dir.

      Aktuelles Datum und Uhrzeit: Di 21 Mai 2024, 22:13